Das Netzwerk Betti und Leonhard Münster – Ersterschienen im August 2010

Das Netzwerk Betti und Leonhard Münster

Leonhard Münster war von 1977 bis 1989 erster Vorsitzender des Bundes der Schwerhörigen und Spätertaubten Nürnberg e.V. Er übernahm dieses Amt von Herrn Friedrich Friedmann aus Nürnberg, langjähriger Bundesvorsitzender
des DSB.
Der Verein hatte während dieses Zeitraumes 145 Mitglieder.
Die monatlichen Vereinsnachmittage fanden im großen Saal des Nachbarschaftshauses Gostenhof statt. An diesen Versammlungen nahmen regelmäßig 50 bis 70 Leute teil. Der große Saal war mit einer funktionierenden Induktionsleitung ausgestattet. Auch im kleinen Saal war eine funktionierende Induktionsleitung installiert.
Ein weiterer Raum im Nachbarschaftshaus stand dem Verein als Arbeitsraum für seine Angestellte zur Verfügung.
Der Verein bot somit einen Arbeitsplatz der Diplom-Sozialpädagogin Frau Lieselotte Büllesbach. Finanziert wurde dieser Arbeitsplatz zu 80 % vom Freistaat Bayern, zu 20% von der Stadt Nürnberg. Das Empfehlungsschreiben des damaligen Oberbürgermeisters der Stadt Nürnberg, Herrn Dr. Schönlein liegt mir vor. Nach dem Stadtratsbeschluss zur Schaffung der Stelle riefen alle vier Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen bei Leonhard Münster an, um ihm die Schaffung mitzuteilen.
Der Verein finanzierte sich aus seinen Mitgliedsbeiträgen. Eine Akustikerfirma spendete jährlich 500 DM. Vom Gericht erhielt man auch Zuwendungen. Das Spendenaufkommen war erheblich. So erhielt man von einer Bank 10000DM.Dazu kamen Privatspenden. Sachaufwendungen und Anschaffungen konnten mit finanzieller Unterstützung des DPWV durchgeführt werden.
Der Verein mietete sich alle zwei Monate einen Bus für einen Vereinsausflug.
Der Verein unterhielt den Briefzirkel Lieselott zwecks Austausch und Kommunikation unter den hochgradig Schwerhörigen und Ertaubten.
Leonhard Münster, Frau Büllesbach sowie ein Akustiker hielten zahlreiche Vorträge über Schwerhörigkeit. Die Kooperation zwischen Hörgeräteakustiker und Verein brachte viele neue Mitglieder. Die Honorare für die Vorträge für den Vorsitzenden spendete dieser regelmäßig dem Verein. Es bestand somit ein Vertrauensverhältnis zwischen Leonhard Münster und dem Akustiker .
Frau Büllesbach führte die regelmäßigen Beratungen im Nachbarschaftshaus durch . Auch durch diese Beratungen konnten dem Verein stets Mitglieder zugeführt werden.
Leonhard Münster gründete auch eine Jugendgruppe, die ihre Angelegenheiten frei regeln konnte.
Lehrer der Schwerhörigenschule hielten in der Volkshochschule Absehkurse für Schwerhörige. Dies geschah auf Initiative von Leonhard Münster. Durch ständiges Anschreiben der Schüler und auch der Berufsschüler kamen immer wieder neue Mitglieder in die Jugendgruppe.
Die Beratungszeiten sowie die Vereinsnachmittage und Vereinsveranstaltungen standen jeweils in den Nürnberger Nachrichten.
Leonhard Münster war Behindertenbeauftragter der Stadt Nürnberg und hatte somit Zugang zu dem zuständigen Stadtrat.
Ein Schwerpunkt der Tätigkeit lag bei den Initiativen zur Installation von Induktionsanlagen. So kam es neben vielen anderen speziell zur Einrichtung im Opernhaus sowie in der Aussegnungshalle des Krematoriums. Auch in Ziegelstein wurde in der Stadtteilskirche des Leonhard Münster eine Induktionsanlage eingebaut. Wer heute beim Behindertenbeauftragten der Stadt Nürnberg nach existierenden Induktionsanlagen fragt , kriegt eine Liste von Induktionsanlagen aus dem Jahr 1981 gezeigt.
Der Landesverband spielte in den Überlegungen des Leonhard Münster keine Rolle. Er lehnte mehrmals das ihm angebotene Amt des Landesvorsitzenden ab. Die Stärke des Vereins und seine Organisation spielten sich in Nürnberg und Umgebung ab.
Leonhard Münster kannte den Begriff Selbsthilfegruppe gar nicht.
Der DSB-Report war selbstverständlich im Mitgliedsbeitrag enthalten. Darüber hinaus erhielten die Mitglieder zu Informationszwecken Rundschreiben und natürlich alles Wichtige in den Monatsversammlungen mitgeteilt.
Die Bundestagsvizepräsidentin Frau Renate Schmid hielt auch eine Rede auf dem Vereinsnachmittag und wurde Mitglied. Darüber hinaus förderte eine Gemeinschaft von Ärzten die Bestrebungen des Vereines. Über diese wurde für die Mitglieder Gymnastik angeboten.
Der DSB-Bundesvorsitzende, Herr Günther Hinzmann gastierte zu wiederholten Malen in Nürnberg und übernachtete
im Haus des Vorsitzenden. Bundesversammlungen fanden in Nürnberg statt. Ebenso Treffen der Süddeutschen Ortsvereine.
Der damalige Bundesvorsitzende warb zu dieser Zeit für den Aufbau des REHA-Zentrums in Flensburg.
Es bestand also eine lebendige von Vertrauen geprägte Zusammenarbeit mit dem DSB und seinem Bundesvorsitzenden.
Die Kooperation im Verein zwischen Frau Büllesbach, Frau Seger als stellvertretenden Vorsitzenden und Frau Wurzer als Kassierin sowie Leonhard Münster funktionierte sehr gut. Sie war von gegenseitigem Respekt für die Leistung des anderen geprägt und führte durch Arbeitsaufteilung und weil jeder vom anderen wusste, dass er seine Aufgaben ernst nahm und gewissenhaft ausführte, zu Erledigung eines großen Arbeitspensums.
Aufgabe des Vereines damals wie auch heute und in der Satzung so festgelegt, war die Interessenvertretung für Hörgeschädigte.
Das Netzwerk Betti und Leonhard Münster war eine mustergültige und sehr erfolgreiche Organisation im Schwerhörigenbereich und dient mir auch heute noch als Vorbild bei der Umstrukturierung des Vereines hin wieder zu besseren Zeiten.