Induktives Hören im Gottesdienst

Gefühle einer schwerhörigen Gläubigen im Bamberger Dom

So fühle ich mich als schwerhörige Gläubige in einer Kirche ohne Induktionsschleife

Ich gehe voller Hoffnung zum Gottesdienst, um dort das Wort Gottes zu hören, die Gemeinschaft der Gläubigen zu erleben und Kraft zu schöpfen für mein Leben.
Vertrauensvoll erhebe ich vor der Messe mein Herz zu Gott. Dann beginnt der Gottesdienst. Schon bei den ersten Worten des Pfarrers ergreift mich Verzweiflung: Ich verstehe wieder mal kein Wort. Voller Panik schalte ich am Hörgerät (CI) herum in der vergeblichen Hoffnung, ein Programm zu erwischen, welches mir zumindest ansatzweise Sprachverständnis ermöglicht. Fehlanzeige! Ich spüre, wie die Gemeinde innerlich bewegt, in einander stärkenden Glaubensgemeinschaft gemeinsam auf dem Weg zur erneuten Gottesbegegnung ist. Alle hören die Verkündigung, antworten, beten und singen zusammen – nur ich allein bin auf mich zurückgeworfen. Ich sitze mitten drinnen, ich graue Maus, allein, unverstanden und niemand sieht es mir an, in welcher Not ich mich befinde. Ich spüre die innere Ergriffenheit der Gemeinde, fühle, wie alle anderen auf ihrem gemeinsamen Weg immer näher zum Licht gelangen, während ich immer tiefer ins Dunkle stürze. Ein letztes inneres Auflehnen gegen die Taubheit, dann stellt sich tiefe Resignation ein. Fliehen, die Kirche vorzeitig verlassen kann ich nicht, denn das würde auffallen und auf verurteilendes Unverständnis stoßen. Eine ganze Stunde muss ich dort verharren, den inneren Pein aushalten, so tun, als ob ich gläubig-fromm mitmachen würde. Dabei fühle ich mich von Gott und der Welt verlassen. Meine Tränen sind unsichtbar als ich wieder auf die Straße trete. Falls ich am nächsten Sonntag wieder in diese Kirche gehe, bin ich selbst schuld.

Induktives Hören im Gottesdienst

„Im Namen des Vaters, des Sohnes und…..“ – Der Pfarrer tritt ans Mikrofon und ich verstehe jedes Wort! Wirklich!!! Jedes Wort klingt klar und deutlich. Meine Ohren sind ein offenes Tor, Sprache strömt hindurch. Mein Verstand saugt wie ein Schwamm die Gedanken auf und das Herz füllt sich mit Freude. Der Himmel öffnet sich und ich kann mein Herz erheben. Nun geHÖRE ich mit dazu. Die unsichtbare Zwangsjacke, die mich lähmend isoliert hat, fällt wie von Zauberhand von mir herunter. Ich bin Teil der Gemeinschaft, ein Mitglied, das mit den anderen Gläubigen zusammen auf dem Weg ist, ein Mensch, der mit beten, mit antworten, mit lobsingen kann. Der innere Jubel zerreißt fast das Herz. Nun kann ich in der Tat „in Frieden“ hingehen und in der kommenden Woche die Herausforderungen des Alltages stemmen.
Margit Gamberoni
Quelle: http://www.bayciv.de/index.php/aktuelles-131/articles/gefuehle-einer-schwerhoerigen-glaeubigen-im-bamberger-dom-kopie.html
Selbsthilfegruppe für Schwerhörige und Cochlea-Implantat Träger in Bamberg: www.schwerhoerige-bamberg.de

Bemühen wir uns weiter vereint um mehr Barrierefreiheit für schwerhörige Menschen durch indukTive Höranlagen nach DIN EN 60118-4!
Youtube: Induktive Hörschleife mit Untertitel http://www.youtube.com/watch?v=ePtD0Oj5ijU